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05.05.2012 00:00 Alter: 7 Monat(e)
Kategorien: Gesellschaft

Drei Tage mit Spaß sinnvoll wirken


Projekt Weidenhütte © Dörthe Krohn

Projekt Weidenhütte © Dörthe Krohn

Projekt Weidenhütte © Dörthe Krohn

Projekt Weidenhütte © Dörthe Krohn

Projekt Weidenhütte © Dörthe Krohn

Projekt Weidenhütte © Dörthe Krohn

Gehzeuge © Dörthe Krohn

Gehzeuge © Dörthe Krohn

Bambus-Fahrrad-Werkstatt © Dörthe Krohn

Neue Streuobstwiese Hofgut Oberfeld © Dörthe Krohn

Sie wollen nicht nur diskutieren, sondern gemeinsam handeln und etwas bewirken. Nach Würzburg, Leipzig und Jena findet an diesem Wochenende das vierte  „Wirkcamp“, diesmal in Darmstadt statt. Rund 120, meist Studierende aus Darmstadt, Heidelberg, Jena und anderen Teilen der Republik verteilen sich auf neun Projekte, die das Etikett „nachhaltig“ tragen und Organisationen und Betriebe, die es bereits vor Ort gibt, einbeziehen. Organisiert wurde das Camp von der Initiative für gemeinsames Handeln "Synagieren" in Kooperation mit der Hochschulgruppe Nachhaltigkeit und mit Unterstützung des AStA der TU Darmstadt.

So wurden beispielsweise in Zusammenarbeit mit WikiWoods (Ziel: „Freiwillig weltweit Bäume pflanzen“, Online-Plattform) am Freitagnachmittag beim Hofgut Oberfeld in Darmstadt zehn Obstbäume gepflanzt. Doch beim Bäume pflanzen allein soll es nicht bleiben, auch wenn es für die eine oder den anderen ein persönliches erstes Mal war, einen etwa drei Meter hohen Stamm in die Erde zu setzen und eine eindrückliche Erinnerung. WikiWoods-Aktionen finden überwiegend in den Räumen Berlin-Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern statt. Um die Idee weiterzutragen, will die Wirkcamp-AG ein Botschafter-Programm und ein Start-Paket für künftige Nachahmerinnen und Nachahmer in anderen Regionen entwickelt.

Etwas Lebendiges und Bleibendes hinterlässt auch die AG „Weidenhütte“. Im Darmstädter Herrnpark ist neben dem Aktivspielplatz eine Weidenhütte entstanden, die zukünftig von den Kindern genutzt werden kann. Unterstützt wird die Arbeitsgruppe von der Darmstädter Künstlerin und ehemaligen Architektin Christel Frank. Eine Weidenhütte zu bauen, sei gar nicht so schwierig, erzählen die gut gelaunten Aktivistinnen und Aktivisten. Die Weidenruten sind ein wunderbarer Rohstoff für Spielhütten, Schattenspender, Sitzgelegenheiten oder grüne Kunstwerke. Damit sie gut wurzeln können, wird jede einzelne tief in ein vorgebohrtes Erdloch gesteckt. Die Abi-Feier im Park von Freitag auf Samstag hat die Hütte schon unbeschadet überstanden, nun hofft die Gruppe, dass sich die kleinen Spielplatznutzerinnen und -nutzer zukünftig um die Pflege der Hütte kümmern.

Ein nachwachsender Rohstoff ist auch Bambus. Wie man daraus ein Fahrrad bauen kann, zeigt Thomas Finger von der „Projektwerkstatt NaWaRo-Fahrrad“ der TU-Berlin. Zusammen mit den Wirkcamp-Bastlern entstehen ein Fahrrad und ein Fahrradanhänger-Prototyp. Für die Rahmenkontenpunkte werden (noch) Metallteile verwendet, der Kleber, der zusammen mit Hanffasern den Bambus-Rahmen zusammenhält, ist noch nicht „bio“ und der Bambus kommt noch nicht aus der Region, aber an der Optimierung wird engagiert geforscht und gearbeitet. Am 25. August startet in Freiburg die erste große Fahrradtour mit NaWaRo-Fahrrädern (z.B. aus Bambus, Holz, Hanf oder Flachs) bis nach Kopenhagen. Frankfurt und Darmstadt werden dabei durchfahren werden.

Fahrräder nehmen längst nicht so viel öffentlichen Raum in Anspruch wie Autos. Wirkcamp-Teilnehmerinnen und -teilnehmer nutzten am heutigen Samstag eine Auto-Ausstellung in der Darmstädter Elisabethen- und Wilhelminenstraße, um zu zeigen, wie viel Platz den Fahrzeugen eingeräumt wird. Ihre aus Dachlatten gezimmerten „Gehzeuge“ umfassen etwa neun Quadratmeter und sind der Umriss eine Mittelklassefahrzeugs. Zwanzig Menschen würden hineinpassen. Professor Hermann Knoflacher von der TU Wien ist Urheber dieser Idee. Die meisten Menschen finden es völlig normal, dass riesige Blechkisten die Gehsteige und Fahrzeugränder zustellen, dass die Innenstädte zugeparkt sind und Fußgängerinnen und Fußgänger oft das Nachsehen haben. „Finden sie das nicht albern?“, fragte ein Passant einen Gehzeug-Träger und meinte den Holzrahmen um ihn herum. Ein fetter Schlitten dagegen mit einem Maximum an PS unter der Haube, wurde von vielen Augen bewundert. Die Verkehrswende Darmstadt und die Bürgerinitiative ONO (Ohne NordOst-Umgehung) sind Unterstützer der Demonstration (im Sinne von etwas veranschaulichen). Tatsächlich entstand streckenweise ein kleiner Gehzeug-Stau. Die Gehzeug-Rahmen bieten übrigens jede Menge Platz für Bei- und Mitgeherinnen und -geher. Die Aktion sollte anregen, mal wieder darüber nachzudenken: Brauche ich generell ein Auto, wann muss ich es wirklich nutzen oder kann ich zu meinem Ziel hingehen, mit dem Fahrrad fahren oder öffentliche Verkehrsmittel nutzen?  

Die Ergebnisse alle neun Projekte (neben den genannten: Entwicklung eines Energieplanspiels, Schreiben von Wikipedia-Einträgen für gemeinnützige Organisationen, damit diese an Reichweite und Bekanntheitsgrad gewinnen, Entwicklung konkreter Veranstaltungen nach dem Vorbild des „Studium Oecologicum“, einem Seminarprogramm der Universität Tübingen, Errichtung eines Lebensturms, der durch sein vielfältiges Nistmaterial verschiedensten Tieren ein Refugium in der Stadt bietet, und gemeinschaftliches, veganes Kochen in der "Vokü") werden am Sonntag (6. Mai 2012) um 13.30 Uhr bei der öffentlichen Abschlusspräsentation im „603 qm“ vorgestellt. Das nächste Wirkcamp wird voraussichtlich bereits im Herbst in Tübingen stattfinden. Mehr über die Idee und die Projekte: www.synagieren.de

Text: Dörthe Krohn  

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