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29.06.2010 00:00 Alter: 9 Monat(e)
Kategorien: Gesellschaft

Altersvorsorge über 30


Werbefoto für Altersvorsorge der Gothaer Versicherung

© obs/Gothaer Versicherung

Werbefoto der Union Investment, Karikatur "Ich lebe jetzt!"

© obs/Union Investment

Warum nur ist das Thema Altersvorsorge zwar kein "Tabuthema" aber doch ein Bereich, mit dem man sich lieber nicht auseinandersetzt? In vielen Gesprächen höre ich immer wieder, dass man sich ja "eigentlich" damit auseinandersetzen müsse, aber… . Oft schreckt die Unkenntnis vor den Produkten oder eine gewisse Resignation hindert den Einzelnen, sich intensiv mit der eigenen Vorsorgesituation zu befassen.

Altersvorsorge ist kein Buch mit sieben Siegeln! Ein bisschen Zeit sollte man jedoch investieren, denn es geht hier um die eigene Lebensqualität im Alter, um die Verwirklichung von Zielen und Wünschen, aber auch im Bedarfsfall die nötige Pflege, die man sich dann leisten möchte. Das Horrorszenario von einem Leben in Armut will man sich nicht vorstellen, nur, den Kopf in den Sand zu stecken hilft nicht nur nicht weiter, man verpasst wertvolle Zeit und dadurch Chancen und Möglichkeiten. Natürlich kann das Ergebnis ernüchternd sein, wenn man sich intensiver mit dem Thema befasst und erkennt, dass die Vorsorge nicht ausreichend sein wird. Aber je früher man mit der Altersvorsorge beginnt, desto leichter erreicht man das gewünschte Ziel und kann etwaige Versorgungslücken schließen. Ein späterer Einstieg kann nicht nur spät sondern auch zu spät sein, einfach weil nicht mehr die Möglichkeit besteht die Lücken zu schließen.

Worauf sollte man grundsätzliche achten? Aufgrund der demografischen Entwicklung und der aktuellen wirtschaftlichen Situation müssen die gesetzlichen Rentenansprüche der Arbeitnehmer dringend durch eine eigene private Vorsorge ergänzt werden. Selbständige und Freiberufler müssen erst recht eigenverantwortlich und aktiv Altersvorsorge betreiben, da Rentenansprüche aus gesetzlichen Beiträgen meist völlig fehlen.

Zu einer privaten Altersvorsorge – wie auch immer sie im Detail letztendlich aussehen mag – gehört grundsätzlich sowohl eine auf die persönlichen Bedürfnisse abgestimmte Absicherung durch verschiedene Versicherungsbausteine als auch eine konsequente Rücklagenbildung. Was nützt die beste Altersvorsorge, wenn sie im Notfall aufgelöst werden muss, da keine Reserven vorhanden sind, um nicht eingeplante Zahlungen begleichen zu können oder ein Versicherungsfall eintritt, der nicht gedeckt ist??

Befassen Sie sich daher zuerst mit der Frage, welche Risiken Sie absichern müssen. Geht es um Sie persönlich, haben Sie eine Familie zu versorgen, muss eine Berufsunfähigkeit oder eine Geschäftsunterbrechung abgesichert werden? Welche Versicherungen werden über die Standardrisiken hinaus nötig sein. Das heißt aber auch, nicht überversichert zu sein. Eine genaue Überprüfung des tatsächlichen Bedarfs und der bestehenden Versicherungen sollte vorgenommen werden.

Im nächsten Schritt sollte man sich mit einer strikten Rücklagenbildung auseinandersetzen, die einerseits gut verzinst, gleichzeitig aber auch jederzeit verfügbar sein soll. Hier hilft sicher, darüber nachzudenken, welche Investitionen möglicherweise in welchem Zeitraum anstehen werden, denn auch die Rücklagen können aufgeteilt und über verschiedene Zeiträume angelegt werden, sodass hier verschiedene Ertragsziele definiert und realisiert werden können.

Neben Risikoabsicherung und Rücklagenbildung sollte der nächste Schwerpunkt auf die persönlichen Ziele in den nächsten Jahren und im Alter gelenkt werden. Gleichzeitig ist es wichtig, eine Bestandsaufnahme über die aktuellen monatlichen Kosten und Erträge vorzunehmen sowie sich Gedanken über den Bedarf im Alter zu machen und diesen ebenfalls den – auf aktueller Basis zu erwartenden Einkünften – gegenüberzustellen. Hier können bereits durch diese sehr grobe Berechnung mögliche Versorgungslücken identifiziert und Handlungsbedarf offensichtlich werden. Detailliertere Analysen der aktuellen und zukünftigen finanziellen Situation sowie die Berücksichtigung von Inflation und anderen Parametern, die die Bedarfssituation im Alter beeinflussen, geben genauere Auskunft über den noch abzudeckenden finanziellen Bereich.

Stellt sich heraus, dass eine Versorgungslücke geschlossen werden muss, ist es wichtig, einen ausgewogenen Mix aus den verschiedenen Bausteinen – angepasst an Ihre individuellen persönlichen, altersbezogenen und auch steuerlichen Gegebenheiten – zusammenzustellen. Leider stelle ich in meinen Beratungen immer wieder fest, dass eine sehr einseitige schwerpunktmäßige Absicherung vorgenommen wurde. Die Bandbreite an Produkten ist groß, größer als den Meisten bewusst ist. Neben den klassischen Lebensversicherungen sollten einerseits staatlich geförderte Produkte wie Riester- und Rürup-Renten einer Prüfung für Ihre speziellen Bedürfnisse unterzogen werden als auch anderseits die Anschaffung eigen- oder fremdgenutzter Immobilien und ein Vermögensaufbau über Kapitalanlagen in die Betrachtungen mit einbezogen werden. Die Vor- und Nachteile der einzelnen Produkte und Anlageformen, sowie die jeweiligen Zielgruppen können in diesem Überblick leider nicht detailliert dargestellt werden. Wichtig ist, die bestehende Vorsorgezusammensetzung regelmäßig alle drei bis fünf Jahre zu überprüfen und an möglicherweise geänderte eigene individuelle Voraussetzungen anzupassen. Geänderte Lebensumstände machen oft auch eine Änderung der Vorsorgestrategie erforderlich.

Je früher Sie sich mit der Thematik auseinandersetzen und aktiv und eigenverantwortlich Ihre Altersvorsorge in die Hand nehmen, desto leichter können Sie die gesteckten Ziele erreichen. Unterschätzen Sie nicht den Zeitfaktor, der – je eher Sie beginnen – für Sie arbeiten kann.

Text: Margret Trimborn

Margret Trimborn ist Finanz- und Investmentökonomin sowie Betriebswirtin. Sie ist freiberuflich als Finanzanalystin tätig. Ein Schwerpunkt in ihren Beratungen ist die Altersvorsorge. 

www.depotkonzept.de

 


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