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13.02.2012 16:06 Alter: 10 Monat(e)

Regionaler Naturgarten erhält "Wiesbadens Grünen Daumen"


Wilde Karde © Sabine Kohlstadt

Alle Fotos © Sabine Kohlstadt

Ein Jahr lang wurde gewerkelt, gepflanzt und bewertet, bevor die Sieger des stadtweiten Beet-Wettbewerbs feststanden. Der Naturgarten e.V. hat seine Fläche ausschließlich mit regionalen Wildpflanzen gestaltet und damit den 1. Preis gewonnen. Heimische Schönheiten wie die Moschus-Malve oder die Wilde Karde haben die Fachjury überzeugt. 

Moschus-Malve © Sabine KohlstadtLange hatte sich die Regionalgruppe Rhein-Main des Naturgarten e.V eine Schaufläche gewünscht, um heimische Wildpflanzen zu präsentieren. Der Wettbewerb „Wiesbadens Grüner Daumen“ bot ideale Möglichkeiten: Ein mit 4 x 4 Metern überschaubares Beet, zentral am Hauptbahnhof gelegen und jederzeit öffentlich zugänglich. Naturgartengestalterin Sabine Kohlstadt (www.die-wildrose.de) hat dafür einen „regionalen Naturgarten“ konzipiert.

 

 

 

 

 

 

"Sie wollen wirklich keinen Kompost?" fragte die freundliche Dame beim Wiesbadener Grünflächenamt.  Nein, bitte nicht, lieber noch etwas mehr Sand. Denn auf magerem Boden gedeihen viele heimische Wildpflanzen besser. So warten im November 2010 elf kompostbraune und eine sandgraue Beetfläche auf Gestaltung.

© Sabine KohlstadtGemeinsam mit Familie Langguth als engagierten Anwohnern beginnt die Naturgarten-Regionalgruppe im November 2010 zu schippen: Eine flache Senke wird ausgehoben und der Aushub zum Hügel aufgeschüttet. Dazwischen windet sich ein schmaler Pfad. Sein Ziel ist ein Sitzplatz mitten im Beet, umgeben von Natur.  Dazu werden drei Sträucher gepflanzt, die von der Wildgehölzfirma Ahornblatt günstig zur Verfügung gestellt wurden: Schlehe, Hundsrose und Wald-Geisblatt.   

Schlehenblüte © Sabine Kohlstadt

Im März 2011 zeigt der Bärlauch frischgrüne Blätter, die Schneeglöckchen blühen. Für das rankende Wald-Geisblatt bauen die Aktivisten eine Kletterhilfe aus Weidenruten und Rotem Hartriegel. „Dürfen wir das absägen?“ fragt der fünfjährige Valentin, als er mühsam über die grobe Beet-Umrandung aus Bauholz steigt. Gemeinsam mit der elfjährigen Kaija wird gesägt, bis alle leicht hineingehen können. Die Kinder pflanzen fleißig Scharbockskraut und Gundelreben unter die Gehölze. Schon Anfang April leuchten die weißen Schlehenblüten. Hier finden hungrige Wildbienen reichlich Nektar, während einige Marienkäfer die Rosenzweige entlangwandern. 

Bepflanzung ausgelegt © Sabine KohlstadtDer Weg bekommt eine Deckschicht aus Kalksplitt, auch der Hügel wird damit abgemagert. Als Sitzgelegenheit wird ein Stammstück ins Beet gerollt, daneben ein bemooster Baumstumpf aufgestellt. Durch Unterstützung der Wildpflanzen-Gärtnerei Strickler können Bioland-Stauden verwendet werden. Je nach Standortvorliebe werden die Wildpflanzen in den feuchten oder in den trockenen Bereich gesetzt, an den Wegesrand oder in die Nähe der Gehölze. So entstehen Pflanzengemeinschaften, wie sie auch in der Natur vorkommen. 

© Sabine KohlstadtDie Regiogruppe pflanzt rund 150 Stauden ein, sucht und dabei die schönsten Farbkombinationen. Uns fallen immer mehr Arten ein, die unbedingt noch hineingehören. Aber es sind nur 16 Quadratmeter,  Beschränkung muss sein. Die Bepflanzung ist dennoch so angelegt, dass über die ganze Saison hinweg immer etwas blüht. Es fühlt sich schon gut an, hier zu sitzen. Jetzt braucht es nur noch Sonne, Regen und den Lauf der Zeit, damit die Pflanzen wachsen.

Pflanzenübersicht © Sabine KohlstadtUnd wie sie wachsen! Schon im Mai ist ein rundum grüner Platz entstanden. Wir haben noch ein rotes Holzkästchen angebracht, in dem die Flyer vom Naturgarten-Verein zum Mitnehmen ausliegen. Außerdem sind geschnitzte Holzstäbe, Rindenstücke, Fundsteine aus dem Taunus und ein Mini-Insektenhotel zu entdecken.  

Karden-Tankstelle © Sabine KohlstadtAm Eingang erhebt sich eine Wilde Karde, deren Blätter am Stängel zu einer Insekten-Tankstelle verwachsen sind. Genau das Richtige bei der anhaltenden Hitze! Stolz zeigt sich das Wald-Geisblatt am Rankgerüst aus roten Hartriegel-Zweigen. Darunter bilden Pfennigkraut und Sumpf-Vergißmeinnicht einen zarten Blütenteppich. Zwischendrin sprießt reichlich Schwarzer Nachtschatten. Er zeigt sich in allen Beeten, aber weil wir den Boden der Senke locker mit Häcksel und Laub bedeckt haben, lässt sich das Zuviel leicht herausziehen.

Der Weg © Sabine KohlstadtIm Juni blüht Thymian als duftender Wegbegleiter zum Hügel, dahinter die letzten Margeriten. Färberkamille leuchtet gelb vor dem hummeln-umschwärmten blauen Natternkopf. Hinter dem Hügel gedeihen Oregano und Wundklee. Am Sitzplatz setzt das Taubenkropf-Leimkraut weiße Akzente. Ein angenehmer Platz ist entstanden. Besonders erstaunlich: Trotz der Öffentlichkeit und der Nähe zum Bahnhof gibt es hier keinen Müll, keine Scherben, keine Zerstörung.     

Bald ziehen besonders die zartrosa Moschus-Malven Blicke auf sich. Als Pionierpflanzen wandern sie durch den Garten und sind überall schön anzusehen. In der Senke haben Mädesüß und Blutweiderich deutlich an Größe zugelegt, auch die Wegwarten sind groß geworden. Zusammen mit all den anderen Pflanzen schaffen sie eine geschützte Ruhezone. So lässt sich das Grün ungestört genießen, der Duft, das sonnenwarme Holz. Natur erleben mitten in der Stadt! 

Sommerbeet © Sabine KohlstadtEin harmonischer Dreiklang aus Wegwarten, Schafgarben und Johanniskraut begleitet den Weg. In der Senke schieben sich inzwischen die Blüten des Sumpf-Storchschnabels zwischen den Lilienblättern hindurch. Auch die Wilde Karde hat ihre Blüten geöffnet. Sie ist über viele Monate für Mensch und Tiere attraktiv. Das Taubenkropf-Leimkraut sät sich inzwischen allzu fleißig aus, da greifen wir manchmal zu und pflücken ein Sträußchen. 

Luzerne und Hagebutte © Sabine Kohlstadt

Der Sommer neigt sich langsam, aber unaufhaltsam dem Ende zu. Die Saat-Luzerne war im Beet nicht vorgesehen, sie war wohl schon im Boden. Aber wie die zartlila Luzerneblüten zu den roten Hagebutten emporsteigen hätte nicht schöner geplant werden können. 

Witwenblüten © Sabine Kohlstadt

Färberkamille und Natternkopf sind verblüht, ihre Stängel bleiben als Insekten-Quartiere stehen. Schmetterlinge laben sich an den letzten Blüten der Witwenblumen. Laub legt sich als wärmende Decke über die Stauden, der Winter kann kommen. Bis zum Frühjahr 2012 müssen die zwölf Beete wieder abgeräumt sein.

Die Stadt Wiesbaden hat entschieden, dass dann andere BürgerInnen hier aktiv sein dürfen. Das Beet soll als prämiertes Beispiel naturnaher Gartengestaltung erhalten werden und in den Regionalpark Rhein-Main umsiedeln. Besucht werden kann der „regionale Naturgarten“ ab Mai 2012 in Flörsheim-Weilbach in direkter Nähe zum Regionalparkportal und dem Naturschutzhaus (www.weilbacher-kiesgruben.de).

Urkunde © Sabine KohlstadtDer Wettbewerb 

Ziel des Wettbewerbs „Wiesbadens Grüner Daumen“ war eine bunte Zwischenlösung für die Grünanlage gegenüber vom Hauptbahnhof. Hier musste zur Altlastensanierung über neun Meter tief Erde ausgetauscht werden. Die Stadt Wiesbaden stellte zwölf Beete von je 4 m x 4 m zur Verfügung und rief Schulen, Vereine und Bürger zum Mitmachen auf. Die Bewerber skizzierten ihre Ideen und Ziele. Daraus wurden Texte, die an jedem Beet erläuterten, was erreicht werden sollte. Jedes Beet wurde (gegen Belege) mit 250 Euro gefördert und bei trockener Witterung vom Grünflächenamt gewässert. Alle weiteren Pflanz- und Pflegemaßnahmen blieben den Teilnehmern überlassen. Die Beete wurden von der Stadt Wiesbaden zwischen April und September etwa alle zwei Wochen fotografisch dokumentiert. Aufgrund dieser Bilder und einer Ortsbesichtigung wählte die Fach-Jury die Preisträger aus. Die Regionalgruppe Rhein-Main des Naturgarten e.V. hat mit dem Naturgarten-Beet den 1. Preis gewonnen. 

"Die Wildrose" gestaltet Naturgärten

Natur genießen statt hacken und gießen? Dann könnte ein Naturgarten das Richtige sein:

- Einheimische Wildstauden der Region statt Einwegpflanzen aus dem Baumarkt

- Unkomplizierte Gehölze, die ohne Formschnitt und auf eigener Wurzel wachsen

- Natürliches Baumaterial statt industrieller Massenware 

© Sabine KohlstadtEine Gartengestaltung nach dem Vorbild der Natur schafft vielfältige Lebensräume für Menschen, Pflanzen und Tiere. Wenn passende Arten am richtigen Ort wachsen, fügen sie sich in die Umgebung ein, als wären sie schon immer da gewesen. So lassen sich vitale Wildkräuter ernten statt mühsam Gemüsesorten zu pflegen. Gerne berate ich Sie zur individuellen Umgestaltung Ihres Gartens, Hinterhofs oder Balkons. Sie können Pflanzen und Baustoffe über mich beziehen und meine Vorschläge selbst umsetzen oder sich Ihr Projekt komplett von mir planen, bauen und bepflanzen lassen.

Die Natur bietet alles, was ein lebendiger Garten braucht! Mehr Infos unter: www.die-wildrose.de

Text: Sabine Kohlstadt

Am Sonnenhang 3 65321 Heidenrod, Tel.: 06120/972596, kohlstadt@die-wildrose.de 


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