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04.03.2011 17:33 Alter: 8 Monat(e)

Energetische Optimierung historischer Bausubstanz


Lehm ist eine uralte Bausubstanz. Will man Fachwerk erhalten, sollte überlegt werden, wie historische Baustoffe zu verwenden sind.

Lehm ist eine uralte Bausubstanz. Will man Fachwerk erhalten, sollte überlegt werden, wie historische Baustoffe zu verwenden sind. © Sonja Lehnert

© Sonja Lehnert

Schon lange bevor sich die Altbausanierung aus heutiger Sicht entwickelt hat, wurden Gebäude, soweit dies ökonomisch erschien, umgenutzt und weiter entwickelt und diese somit lange erhalten. (Sanierung bedeutet im eigentlichen Sinn: modernisieren, einem neuen/modernen Zweck anpassen).

Gerade im Zeitalter des Barock ging dies mit einem großen aber behutsamen Eingriff, z.B. der Änderung ganzer Dachlandschaften zur Nutzung der Dachräume und optischen Anpassung, einher. Auch Gebäude, welche durch Kriege und Epidemien in der Vergangenheit lange Zeit ungenutzt waren oder leer standen, wurden auf Grund der Sparsamkeit (und oft auch aus der Armut) unserer Altvorderen oft wieder einem neuen Zweck zugeführt.

Auch die Zweit- und Wiederverwendung von Baustoffen, sei es nach einem Abbruch oder Umbau eines Gebäudes, war diesen nicht unbekannt und alleine aus Mangel an Rohstoffen und aus dem Wissen, was Baumaterial eigentlich wert ist, allgegenwärtig.

Was heute oft fehlt ist eine ganzheitliche Betrachtung einer solchen Aufgabe, obgleich sich viele „Spezialisten“ für diesen Markt, die sogenannten Allroundhandwerker, damit beschäftigen und diesen lukrativen Markt bedienen wollen.

Aber gerade bei der Umnutzung von Baudenkmalen und alter Bausubstanz, welche sich oft nicht in ihrer Konstruktion und Gestalt unterscheiden, spielt die Suche nach einer solchen Betrachtung eine entscheidende Rolle, da einmal zerstörtes unwiederbringlich verloren geht. Weiterhin produzieren unnötige und wegen fehlender Planung doppelt ausgeführte Arbeitsschritte nur Zusatzkosten, welche sich bei einer guten Planung vermeiden lassen.

Gerade das Modernisieren und die (heute so wichtige?) Pflicht zur energetischen Optimierung der alten Bausubstanz zeigen hier schnell Fehlstellen in der Denkweise der Beteiligten auf, schnell wird hier „unnütze“ Bausubstanz entfernt und ausgebaut, der Weg zum Baumarkt ist nicht weit!
Schaut man heute im Fernsehen solche Sendungen zum Thema Bauen an, suggerieren die Beteiligten diese Vorgehensweise als „Weg zum Haus ins Glück“, schnell werden hier massenweise Container vor den Gebäuden platziert und Platz gemacht für ein neues, sauberes Leben. Drapiert mit vielen guten, modernen (und gesunden?) Baustoffen wird, nachdem das Hirn ausgeschaltet wurde, dem Haus ein neues Gesicht verpasst. Dass dieses nach nur kurzer Zeit an Akne leiden dürfte, zeigt keine Fortsetzung...

Jedem vernünftig denkenden Handwerker dürfte klar sein, das dies so nicht funktionieren kann. Warum also dieser Mummenschanz? Fröhlich wird darüber berichtet, wie Bauherren ohne einen Gedanken an die Folgen ihre Häuser zerstören und dabei auch noch jegliche Pflicht zur eigenen Sicherheit ignorieren. Wo ist hier die Berufsgenossenschaft, wenn Heimwerker ohne Gerüst und Sicherungsnetz basteln? Aber frech werden mit solchen Bildern Zuschauer animiert, selbst Hand anzulegen oder eigene Handwerker zu schnellerer, effizienterer Arbeit zu treiben.

Andererseits werden Handwerker, die sensibel und mit Verständnis an dieses Thema herangehen, als Exoten dargestellt. Doch ist es exotisch, voraus zu denken, Substanz zu schützen und Baustoffe zu verwenden, die schon immer eingesetzt wurden?

Mit diesem Wissen und den Fertigkeiten im Umgang mit historischer Substanz können Werte erhalten und das Umfeld den Bewohnern angepasst werden!

Thema Baustoffe und Umgang mit dem Bestand

Text: Alexander Fenzke, Restaurator im Maurerhandwerk, Bad Marienberg, www.denk-mal-fachwerk.de

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