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05.09.2011 13:59 Alter: 6 Monat(e)
Kategorien: Architektur

Romantik, Realismus, Revolution - Das 19. Jahrhundert


© Herr Landes

© Maren von Bismarck

Zum Thema des diesjährigen Tags des offenen Denkmals am 11. September, „Romantik, Realismus, Revolution - Das 19. Jahrhundert“, öffnet sich der Blick in eine der stilistisch vielseitigsten und an technischen Neuerungen reichsten Epochen der Bau- und Kunstgeschichte. Die bundesweite Eröffnung findet am Sonntag, 11. September, in Trier in der Konstantin-Basilika um 10 Uhr mit einem ökumenischen Gottesdienst zum Denkmaltag statt.

„Politisch wie gesellschaftlich war das 19. Jahrhundert von Umbrüchen geprägt: Durch die napoleonischen Kriege und den Rheinbund wurde das Heilige Römische Reich Deutscher Nation handlungsunfähig und erlosch. Napoleons Einfall, die Neuordnung Europas im Wiener Kongress 1815 und die Reichsgründung 1871 brachten weit reichende strukturelle Veränderungen mit sich. Infolgedessen wurden auch viele kirchliche Besitztümer, Institutionen und Herrschaftsgebiete aufgelöst oder von weltlichen Herren übernommen. Weiterentwicklungen wie auch Rückgriffe prägten nicht nur das gesellschaftliche und politische Leben des 19. Jahrhunderts, sondern nahmen auch starken Einfluss auf die Architektur und die bildenden Künste dieser Zeit.

Wirtschaftliche Blüte, verbesserte Reisewege und Transportmittel machten das Reisen im 19. Jahrhundert vielen Künstlern und Wissenschaftlern möglich. Ideen und Stile wurden neu miteinander kombiniert und über die Landesgrenzen hinaus ausgetauscht. Die wissenschaftliche Beschäftigung mit der eigenen Geschichte sowie deren romantische Verklärung führten in Architektur und bildender Kunst zu einer Rückbesinnung auf die Formensprache der Vergangenheit: Von der Kunst der Antike bis zum Barock wurden die unterschiedlichen Elemente miteinander verbunden und quasi neue Stile entwickelt. Die Beschäftigung nicht nur mit der klassischen Antike, sondern insbesondere mit den regionalen archäologischen Hinterlassenschaften war gleichzeitig die Geburtsstunde der modernen Archäologie. Erstmals erfolgten planmäßig durchgeführte Ausgrabungen.

Die Industrialisierung und die damit verbundene Landflucht verursachten tiefgreifende Veränderungen in der Baukultur der Städte. Gerade in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts erlebten die Städte einen massiven Umbau, der auf neuen architektonischen Konzepten basierte: Neue Arbeiterquartiere entstanden und mit ihnen Schulen, Krankenhäuser, Kirchen und Volksparks, die noch heute das Bild vieler Städte prägen.“ (Quelle: tag-des-offenen-denkmals.de/thema/)

Das ist zu sehen, zu begehen und zu erleben

Der Tag des offenen Denkmals ermöglicht einmal im Jahr, Stätten, Gebäude und Anlagen zu besuchen, die sonst der Öffentlichkeit nicht unbedingt zugänglich sind. Zu diesen „verborgenen“ Orten zählen archäologische Stätten, öffentliche Bauten, Industriebauten und Siedlungen, Sakralbauten und Friedhöfe, Burgen, Schlösser und Ruinen, Garten- und Parkanlagen, politische Denkmale, technische Neuerungen, Herrenhäuser und Gutshöfe, Kurbäder und Freizeitanlagen.

Beispielhaft für den Wandel stehen die Garten- und Parkanlagen. Eine starke Umstrukturierung in den Gärten und Parks begann bereits Mitte des 18. Jahrhunderts mit der Umgestaltung barocker Gartenanlagen in englische Landschaftsparks. Im Folgenden wurde diese Idee der „geöffneten" Parks weitergeführt und auch im innerstädtischen Bereich umgesetzt. So entstanden Volksparks, Stadtgärten und Kurgärten. Eine solche Neuanlage von Stadt- oder Volksgärten geschah meist in Gebieten, wo die Bodenwerte niedrig waren, beispielsweise wegen Überschwemmungsgefahr, aber auch in großen Ballungsräumen, wo die Bevölkerung Natur und Erholung forderte.
An einer Themenführung zu den Brentanos kann man in Aschaffenburg teilnehmen, wo die Spurensuche durch die Epoche des Klassizismus, Romantik und Biedermeier führt. Anhand von Bezeichnungen wie Brentanosstraße und -brunnen, Brentano-Grünzug und -park wird die Beziehung der Familie zur Stadt erläutert. Treffpunkt ist um 11 Uhr, Schlossplatz 4, 63739 Aschaffenburg.

Herrenhäuser und Gutshöfe
Die Landflucht der ärmeren Bevölkerungsschichten und der rasant wachsende Bedarf an innerstädtischem Wohnraum für die Arbeiterfamilien hatte als Gegenbewegung eine Stadtflucht der Oberschicht zur Folge: Nicht nur in der Freizeit wanderten die Wohlhabenden aufs Land und in die Natur, sondern es wurden Wohnsitze in die Natur verlegt und Herrenhäuser oder größere Gutsanlagen gebaut. Zudem wurden die bestehenden Gutshöfe und Herrenhäuser ausgebaut und vergrößert, denn die Großgrundbesitzer waren ebenfalls Profiteure der neuen technischen Möglichkeiten in der Landwirtschaft. Die seit dem Mittelalter herrschende Grundherrschaft wurde erst nach der Revolution von 1848 zu Gunsten der Bauern reformiert und umstrukturiert.  
Ein Dreiseithof mit Fachwerkwohnhaus steht in Grasellenbach Litzelbach. Der Hof wurde laut Denkmalamt zirka um 1600-60 erbaut, er ist bewohnt und wird derzeit restauriert. Öffnungszeit am 11. September ist von 9 bis 16 Uhr, Führungen finden nach Bedarf statt. (Scharbacher Straße 7, 64689 Grasellenbach Litzelbach)

Kurbäder und Freizeitanlagen
Anfang und Mitte des 19. Jahrhunderts wurden zahlreiche Kuranlagen und Seebäder gegründet oder ausgebaut. Auch mit dem Anschluss an die Eisenbahnlinien ab Mitte des 19. Jahrhunderts erfreuten sich die Bäder immer größerer Beliebtheit. Der steigende Bedarf der Großstadtbevölkerung nach Natur und Erholung ließ den Tourismus wachsen und durch die nun verkürzten und schnellen Wege rückten weitere Freizeitziele näher. Aussichtstürme und -terrassen wurden neu gebaut, Parks für Picknicks und Lustwandeln in der Natur angelegt. Denn auch der klassische Picknickkorb, der neben Essen auch eine Decke, Geschirr und Besteck enthält, kam im 19. Jahrhundert auf.
In Bad Nauheim lädt beispielsweise der Sprudelhof zur Entdeckungstour ein. Er wurde erbaut 1905-11 als Jugendstil-Badeanlage von Baumeister Wilhelm Jost und Mitgliedern der Darmstädter Künstlerkolonie. Öffnungszeiten am 11. September sind von 10.30 Uhr bis 18 Uhr, Führungen finden alle 15 Minuten statt, am 9. und 10. September auf Anfrage. Zu sehen sind das Badehaus 3 mit Badezellen: Besichtigung ohne Führung, Badehaus 4: Wanderausstellung und Jugendstil-Café, Sprudelhof: Jugendstil-Büchertisch, Trinkkuranlage. Am 10. und 11. September findet außerdem ein Restauratoren- und Kunsthandwerkermarkt statt. (Ludwigstraße 22, 61231 Bad Nauheim)

Das gesamte, bundesweite Programm findet man mit allen Einzelheiten unter: tag-des-offenen-denkmals.de


Wie alles begann

Ziel des Tags des offenen Denkmals ist es, die Öffentlichkeit für die Bedeutung des kulturellen Erbes zu sensibilisieren und Interesse für die Belange der Denkmalpflege zu wecken.

1984 wurden erstmals in Frankreich die „Journées Portes ouvertes monuments historiques" ins Leben gerufen, Hessen war das erste Bundesland, das sich bereits 1990 an den internationalen Aktivitäten zum Tag des offenen Denkmals beteiligte. 1991 griff der Europarat die Idee auf und rief zu den European Heritage Days auf. Seit 1993 beteiligen sich auch in den anderen Bundesländern Deutschlands eine stetig wachsende Zahl von Denkmalbesitzern, Kommunen, Handwerkern, Architekten, Kirchen, Initiativen und Fördervereinen an den Aktivitäten rund um den Tag des offenen Denkmals. Ihr Ziel ist es, das Interesse für die Kulturdenkmäler in möglichst breite Kreise der Bevölkerung zu tragen. Einmal im Jahr sollen die Bürger die Gelegenheit haben, den Reichtum der Kulturdenkmäler ihrer Region kostenfrei zu besichtigen und sich umfassend über die Ziele und die Arbeitsweise der Denkmalpflege zu informieren.

2010 beteiligten sich alle 49 Länder an den European Heritage Days. In Deutschland nahmen über 2.600 Kommunen mit mehr als 7.500 Denkmalen teil. Bundesweit waren rund 4,5 Millionen Besucher am 12. September zum Tag des offenen Denkmals unterwegs. Bundespräsident Christian Wulff eröffnete den Denkmaltag in der Hansestadt Lüneburg.

In Hessen ist das Landesamt für Denkmalpflege zusammen mit den Unteren Denkmalschutzbehörden zentrale Organisatorin und Veranstalterin des Tages des offenen Denkmals. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz koordiniert die bundesdeutschen Aktivitäten zum Tag des offenen Denkmals. Weitere Informationen zur Stiftung: www.denkmalschutz.de

Text: Sonja Lehnert

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