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29.11.2011 00:00 Alter: 5 Monat(e)
Kategorien: Architektur

Handwerker für die Denkmalpflege


Alexander Fenzke beim Fugen mit Spitzlehm

© Alexander Fenzke beim Fugen mit Spitzlehm

Alexander Fenzke bei einer Untersuchung der Bausubstanz

© Alexander Fenzke bei einer Untersuchung der Bausubstanz

Alexander Fenzke beim Ausmauern einer Schwelle

© Alexander Fenzke beim Ausmauern einer Schwelle

Alexander Fenzke beim Fugen von Bruchstein

© Alexander Fenzke beim Fugen von Bruchstein

Alexander Fenzke beim Mauern von Fachwerk

© Alexander Fenzke beim Mauern von Fachwerk

Alexander Fenzke beim Verputzen von Fachwerk

© Alexander Fenzke beim Verputzen von Fachwerk

Alexander Fenzke als Dozent eines Putzseminars

© Alexander Fenzke als Dozent eines Putzseminars

Alexander Fenzke als Dozent eines Putzseminars

© Alexander Fenzke als Dozent eines Putzseminars

Alexander Fenzke kennt die Details bei der Altbausanierung und weiß, mit auftretenden Problemen umzugehen. Ihm zuzuhören, wenn er über seine Arbeit spricht, lässt einen ganz neuen Blick auf den Um- und Ausbau von alten Gebäuden entstehen.

Alexander Fenzke kennt die Details bei der Altbausanierung und weiß, mit auftretenden Problemen umzugehen. Ihm zuzuhören, wenn er über seine Arbeit spricht, lässt einen ganz neuen Blick auf den Um- und Ausbau von alten Gebäuden entstehen. © Sonja Lehnert

Von der klassischen Maurerarbeit zum Fachbetrieb für Denkmalpflege gelang Restaurator Alexander Fenzke der Schritt vom Beruf zur Berufung.

Wer wie Alexander Fenzke nach der Mittleren Reife einen Berufsweg einschlagen soll, trifft einmal mehr, einmal weniger mit seiner Wahl ins Schwarze.  Bei Fenzke war es die Lehrstelle am richtigen Ort, die ihn den Maurerberuf erlernen ließ. Nicht, dass er das schon seit seiner Kindheit erträumt hätte, aber wie er nun einmal gestrickt ist, ließ ihn die Geschichte, einmal angefangen, auch nicht mehr los. Vor allem interessierte ihn alles, was über den Neubau hinausging. Es waren die Baustoffe und Farben, es waren auch die Techniken vergangener Zeiten, die heute teilweise noch in denkmalgeschützen Gebäuden zu finden sind. Oft genug hatte er in der Praxis mit „Problemfällen“ zu tun. Hier war ein Keller nass, dort trat Schimmel auf. Dem war oft genug nicht mit den üblichen Methoden zu Leibe zu rücken. In seiner verkürzten Lehrzeit erhielt er von seinem Handwerksmeister verantwortungsvolle Aufgaben, musste auf Baustellen schon Poliersarbeiten erledigen und strebte, wie allen klar war, die Meisterschule an.

Sein Interesse an der Arbeit führte dazu, dass er sich auf eigene Faust mit Büchern eindeckte und las und las und las. Er las vor allem über Baumaßnahmen und Baustoffe, die es im Baumarkt nicht von der Stange zu kaufen gab, die aber eine lange Tradition bei historischen Gebäuden hatten – gerade bei solchen, die unter Denkmalschutz standen.

Nach zweieinhalb Jahren Gesellenzeit absolvierte er in acht Monaten die Meisterschule, erhielt eine Begabtenförderung und konnte an zwei Praktika in Texas und Irland teilnehmen. Die Austauschprogramme, die zwischen 1997 und 1999 von der Handwerkskammer organisiert wurden, prägten seinen weiteren beruflichen Weg nachhaltig. Gerade in den USA war es üblich, dass sich die Teilnehmer des Praktikums, die aus allen Gewerken kamen, in einem regen Austausch über ihre Arbeit befanden und dadurch ein produktives Zusammenspiel entstand. Das sollte Jahre später die Basis werden, mit der die Handwerker gemeinsam im Restauratorenring arbeiten, um die Altbausanierung aus einer Hand zu verwirklichen.

Zurück in Deutschland erhielt er eine Meisterstelle und war seitdem als Polier tätig. Das heißt, der Maurermeister Fenzke, der mit Leib und Seele bei der Sache war, den Problemen, die auftraten immer am liebsten sofort auf den Grund gehen wollte, hatte nur noch damit zu tun, auf Baustellen nach dem rechten zu sehen und dafür zu sorgen, dass alles planmäßig lief. Das war eindeutig nicht das Richtige.

Er erfuhr von einem Weiterbildungskurs für Restauratoren und hörte nach jahrelanger Ausbildung, nach dem Eigenstudium und nach dem Selbstausprobieren davon, dass der Restaurator ein Beruf mit eigener Ausbildung war.

Alexander Fenzke ist den langen und steinigen Weg, nicht den geraden und einfachen Weg gegangen, bis er sich so nennen konnte, was er eigentlich schon immer praktisch umgesetzt hatte. Das sieht er jedoch keineswegs als Nachteil, im Gegenteil, „ich habe zwar Umwege gemacht, die haben aber alle zu dem Wissensstand geführt, den ich jetzt habe“. Er machte sich nach der Weitebildung selbstständig und erhielt auch gleich einen seiner ersten Aufträge in der Kloster-Abtei Marienstatt, bei Hachenburg. Diese vom Liegenschaftsamt verwaltete Baustelle konnte er mängellos übergeben, was für diese Art von Baustellen selten ist.

Neben seinem Fachbetrieb „ Denk AF Mal“ mit dem Alexander Fenzke die Restaurierung historischer Bausubstanz, die energetische Optimierung im Bestand und denkmalgeschützter Gebäude sowie die Modernisierung und Gestaltung mit Kalk und Lehm übernimmt, hat er mit seinen Kollegen den „Restauratorenring“ gegründet.  Der Verband vereint alle Gewerke, die für die Sanierung eines Gebäudes nötig sind. Maurer, Zimmerleute, Lehmbaufirmen, Schreiner, Dachdecker und Stuckateure sind hier tätig. Ihre Arbeit wird im „Restauratorenring“ koordiniert, so dass die Bauherren mit Fenzke einen Ansprechpartner für alle Bauabschnitte haben. Der Zusammenschluss der Handwerker, denen  es an Aufträgen nicht mangelt, hat mittlerweile einen ausgezeichneten Ruf als Fachbetrieb für die Denkmalpflege.

Mit der Auszeichnung von vier Mitgliedern des Restauratorenrings (Mathias Gläser, Johannes Baumann, Martin Trebing undAlexander Fenzke) mit dem Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege im Jahr 2010 für die Arbeiten am Barbarahof in Simmern, Ww., wurde dies auch von höchster Stelle bestätigt. Siehe auch: www.denk-mal-fachwerk.de/ueber-mich/auszeichnungen/bundespreis-fuer-handwerk-in-der-denkmalpflege-2010.html.

Fenzke ist im bundesweiten Verband „Restaurator im Handwerk e.V.“ sowie als  Leiter in der Landesgruppe Rheinland-Pfalz/Hessen und Saarland vertreten. Aufträge nimmt er auch schon einmal über sein lokales Einzugsgebiet hinaus an, vermittelt aber auch Partner im ganzen Bundesgebiet (gerade kam ein großer Auftrag aus  Reutlingen, wo er ebenfalls mit den regionalen Betrieben zusammenarbeitet).  Bekannt wurde er unter anderem durch eine TV-Reportage im SWR und durch Vorträge, die er – beispielsweise während der Bundesgartenschau in Koblenz – nicht nur für Fachpublikum oder Auszubildende im Restauratorenberuf  sondern auch für interessierte Bauherren hält.
Fenzke will mit seinem Ansatz zum Erhalt der historischen Bausubstanz auch die Bauherren und –frauen überzeugen und einbeziehen. „Lehm ist mein Lieblingsbaustoff, er ist kinderleicht zu verarbeiten und die Bauherren sind schnell davon überzeugt“, sagt er. Mit Öl- und Kalkfarben und mit Lehm will er auch zu den in Baumärkten üblichen Materialien eine Alternative bieten und verhindern, dass das von Handwerkern mit Bedacht in der Vergangenheit ausgewählte Material durch unüberlegt
 eingesetzte Baustoffe vernichtet wird. Fenzkes Fazit lautet deshalb auch: „ Wir schaffen mit und für die Leute“.

Kritisch sieht Alexander Fenzke auch die Energieeinsparverordnung EnEV, die 2012 noch einmal verschärft wird. In seinen Fachartikeln (siehe reinMein – Architektur) spricht er das Problem an:
„ Oft sind es Fehlinformationen und falsches Wissen sowie die oft gebrachten Argumente Zeit (geht schneller…) und Geld (ist billiger…), die bei einer Modernisierung alter Bausubstanz zu einem vorschnellen und oft unnötigen Ausbauen von historischen Baustoffen führen.
Weiterhin fördern Industrie gesteuerte Werbemaßnahmen und (deren) gesetzliche Forderungen wie die derzeit noch (bis nächstes Jahr) herrschende Energie-Einspar-Verordnung (ENEV 2009) diese Ausweide-Orgien im Altbau, was nur zum Verlust handwerklicher Zeugnisse unserer Vorfahren führt.
(...)
Kunststoffhaltige Baustoffe in allen Variationen sowie deren Weichmacher sorgen heute für die höchste Allergiker-Rate aller Zeiten, vor allem bei Kleinkindern.“

Energieeinsparverordnung

Die Energieeinsparverordnung (EnEV) ist ein Teil des deutschen Wirtschaftsverwaltungsrechtes. In ihr werden vom Verordnungsgeber auf der rechtlichen Grundlage der Ermächtigung durch das Energieeinsparungsgesetz (EnEG) Bauherren bautechnische Standardanforderungen zum effizienten Betriebsenergieverbrauch ihres Gebäudes oder Bauprojektes vorgeschrieben. Sie gilt für Wohngebäude, Bürogebäude und gewisse Betriebsgebäude.
Die EnEV gilt nicht (Kommentar Fenzke: eingeschränkt) für:
- Gebäude, die unter Denkmalschutz stehen
- Betriebsgebäude, die überwiegend der Tierhaltung dienen
- großflächige Betriebsgebäude, die lang anhaltend offen gehalten werden müssen
- unterirdische Bauwerke
- Räume, die der Aufzucht und dem Verkauf von Pflanzen dienen (Gewächshäuser etc.)
- Traglufthallen, Zelte und ähnliche Gebäude, die wiederholt aufgebaut und zerlegt werden müssen.
(Quelle: de.wikipedia.org/wiki/Energieeinsparverordnung)

Ziel der novellierten Energieeinsparverordnung (EnEV) ist es, den Energiebedarf für Heizung und Warmwasser (Kommentar Fenzke: sowie ebenfalls noch kommend:  für die Beleuchtung, Lüftung und Klimatisierung) im Gebäudebereich um etwa 30 Prozent zu senken. In einem weiteren Schritt sollen laut Integriertem Energie- und Klimaprogramm (IEKP) ab 2012 die energetischen Anforderungen nochmals um bis zu 30 Prozent erhöht werden.
(Quelle: www.bmu.de/energieeffizienz)

Text: Sonja Lehnert

Fachartikel von Alexander Fenzke:

Energetische Optimierung historischer Bausubstanz - Teil 1

Baustoffe und Umgang mit dem Bestand - Teil 2

Energetische Optimierung der Bausubstanz - Praxisbeispiele - Teil 3

Energetische Optimierung historischer Bausubstanz - Teil 4

 


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